Badeotitis – die schmerzhafte Gehörgangsentzündung nach dem Schwimmen

Badeotitis-Gehoergangsentzuendung

Temperaturen an der 30-Grad-Marke und lange Wochenenden ziehen uns hinaus an die vielen Badeseen und in die Freibäder der Städte. Mit dem Badespaß geht für den ein oder anderen aber auch eine schmerzhafte Erfahrung einher: Eine Gehörgangsentzündung nach dem Schwimmen, eine sogenannte Badeotitis, kann zu einer erheblichen Belastung für die Betroffenen werden.

Was ist eine Badeotitis?

Der Begriff Badeotitis oder englisch swimmer’s ear beschreibt eine Entzündung des äußeren Gehörgangs, also des Bereichs zwischen Ohrmuschel und Trommelfell. Eine Badeotitis tritt oft nach häufigem Baden in den Sommermonaten oder aber bei regelmäßigem Tauchen und Surfen auf. Die Inkubationszeit beträgt wenige Stunden bis maximal zwei Tage. Eine Badeotitis ist meist äußerst schmerzhaft, heilt richtig behandelt aber bereits innerhalb weniger Tage vollkommen aus.

Wie erkenne ich eine Badeotitis?

Die Symptome einer Badeotitis können vielfältig sein. Die Hauptsymptome sind Juckreiz, deutliche Schmerzen und Absonderungen aus dem betroffenen Ohr. Es kann aber auch zu schuppiger und trockener Haut im Bereich des äußeren Gehörgangs kommen sowie zu Rötungen und, infolge von Schwellungen, zu einer Verminderung des Hörvermögens.

Ein einfacher Test gibt bereits eine deutliche Richtung bei der Diagnose vor: Wenn es beim Ziehen am Ohrläppchen bzw. bei Druckausübung auf den Knorpel am Ohreingang zu deutlichen Schmerzen kommt, liegt meist eine Gehörgangsentzündung vor.

Die häufigsten Badeotitis-Symptome im Überblick:

  • Juckreiz im Ohr
  • Schmerzen bei Berührung des Knorpels/Ohrläppchens
  • Absonderungen aus dem Ohr
  • Rötungen, Schwellungen
  • schuppige, trockene Haut
entzuendeter-gehoergang

Bei einer Badeotitis ist der Gehörgang entzündet

Wodurch entsteht eine Gehörgangsentzündung?

Eine Gehörgangsentzündung entsteht allgemein, wenn Bakterien, Viren oder Pilze durch winzige Hautverletzungen im Gehörgang in den Körper eindringen. Bei einer Badeotitis kommt es durch den Kontakt mit Wasser zu der „Bekanntmachung“ mit den Erregern. Doch ob durch Schwimmen oder ohne: Oftmals hat sich der Betroffene die Verletzungen, die als Einfallstor für die Erreger dienen, selbst zugefügt. Denn die häufigste Ursache ist eine übertriebene Säuberung des Gehörgangs mit Wattestäbchen.

HNO-Ärzte raten generell von einer Nutzung von Wattestäbchen ab. Zu groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass man bloß in seinem Ohr „herumstochert“ und damit mehr Schaden als Nutzen anrichtet. Denn Wattestäbchen säubern den Gehörgang nur selten. Viel häufiger führt deren Gebrauch zu einer Verklumpung des Ohrenschmalzes. Im schlimmsten Fall verstopft man sich also selber sein Ohr – oder aber fügt sich Verletzungen zu. Denn nach dem Baden oder Duschen, wenn die meisten zum Wattestäbchen greifen, ist die Haut im Ohr bereits aufgeweicht. Viel Druck ist nun nicht mehr nötig, um Mikrorisse zu verursachen. Erfolgt der Wasserkontakt, bevor diese Risse ausgeheilt sind, ist die Wahrscheinlichkeit einer Infektion groß. Denn selbst Chlorwasser tötet nicht alle Keime ab.

Auch Allergien, ein schwaches Immunsystem oder Diabetes mellitus können die Entstehung einer Gehörgangsentzündung begünstigen. Gehören Sie zu einer dieser Risikogruppen, sollten Sie mit Ihrem HNO über vorbeugende Maßnahmen sprechen.

Badeotitis richtig behandeln

Eine Gehörgangsentzündung sollten Sie niemals selber behandeln, denn durch unsachgemäßes „Herumpulen“ im Ohr werden Sie die Probleme nur verstärken. Auch ein Aussitzen der Erkrankung nach dem Motto „Was von alleine kommt, geht auch von alleine“ empfiehlt sich nicht. Eine behandelte Badeotitis klingt zwar schon nach wenigen Tagen restlos ab. Bleibt die Behandlung jedoch aus, kann sich die Entzündung auf das Trommelfell ausweiten und somit zu einer sehr schmerzhaften Mittelohrentzündung führen.

Ihr HNO-Arzt wird sich zunächst einmal Ihr Ohr von innen ansehen, um andere Erkrankungen auszuschließen. Vielleicht nimmt er auch Proben, um durch eine Laboruntersuchung einwandfrei den Erreger und somit das beste Medikament zur Behandlung benennen zu können. Befindet sich noch Ausfluss im Ohr, wird er diesen anschließend entfernen.

Meist erfolgt die Hauptbehandlung mithilfe von getränkten Mullbinden und entzündungshemmenden Ohrentropfen. Auch antibakterielle Ohrentropfen auf Essigbasis werden gerne verabreicht, da der PH-Wert des Essigs dem des Ohres entspricht und er das Ohr wieder zu seinem ursprünglich trockenen Mikroklima zurückführt. Mitunter kann auch eine Behandlung mit Antibiotika notwendig werden. Vor allem, wenn die Entzündung verschleppt wurde, kommt man um Antibiotika meist nicht mehr herum.

Einer Gehörgangsentzündung vorbeugen

Die beste Methode, einer Gehörgangsentzündung vorzubeugen, ist, das gesunde Ohr alleine arbeiten zu lassen. Denn die Natur hat eigentlich alles Notwendige unternommen, um unsere Ohren zu schützen: Der Ohrenschmalz ist keineswegs Schmutz, den es zu beseitigen gilt, sondern eine extra zu Schutzzwecken produzierte Absonderung der Ohrenschmalzdrüsen. Ohrenschmalz ist sowohl stark fettig als auch bakterienabweisend – die perfekte Mischung. Das Fett schützt die Haut des Gehörgangs vor Wasser, der saure PH-Wert und bestimmte, Bakterien bekämpfende Inhaltsstoffe machen das Ohr unattraktiv für Eindringliche jeglicher Art. Durch die beständige Bewegung der kleinen Härchen im Inneren des Ohres wird Ohrenschmalz außerdem von innen nach außen geschoben. Schmutzpartikel und Staub werden so langsam aus dem Ohr hinausgeschwemmt.

Eine übertriebene Reinigung der Ohrbereiche, die meist niemand mit bloßem Auge einsehen kann, ist also kontraproduktiv. Reinigen Sie stattdessen die Außenbereiche Ihrer Ohren mit einem sauberen Tuch und spülen Sie die Innenbereiche bei Bedarf einfach mit lauwarmem Wasser (zum Beispiel aus dem Duschkopf) aus. Achten Sie hierbei auf wenig Wasserdruck. Eine weitere gute Vorbeugungsmaßnahme ist das Trocknen des Ohrs nach dem Schwimmen. Auch hier reichen ein sauberer Handtuchzipfel für außen und eventuell leichtes Föhnen für innen. Direkt nach dem Schwimmen sollten Sie sicherstellen, dass kein Wasser mehr in den Gehörgängen ist.

Auch häufiges Tragen von Ohrstöpseln und Hörgeräten verändert das Mikroklima im Ohr und erhöht somit die Infektionsgefahr. Sollten Sie auf beides nicht verzichten können, sprechen Sie mit Ihrem HNO-Arzt über weitere Hygiene- und Vorbeugungsmaßnahmen.

Badeotitis richtig vorbeugen:

  • Vermeiden Sie den Gebrauch von Wattestäbchen! Die Verletzungsgefahr bei aufgeweichter Haut ist zu hoch und der Hygienemehrwert praktisch bei null.
  • Trocknen Sie die äußeren Ohrbereiche nach Wasserkontakt stattdessen mit einem sauberen Handtuch.
  • Sorgen Sie dafür, dass kein Wasser im Gehörgang zurückbleibt (zur Not Kopf so lange auf die Seite legen, bis alles herausgeflossen ist).
  • Nicht unbedingt chic, jedoch sehr wirksam ist das Tragen einer Badekappe, die über das gesamte Ohr reicht. Sie verhindert meist das zu tiefe Eindringen von Wasser ins Ohr.
  • Wenn Sie zu Badeotitis neigen, aber dem Wasserspaß nicht den Rücken kehren wollen, können Sie mit speziellen Ohrentropfen einer Entzündung vorbeugen. Sie haben den selben PH-Wert wie der äußere Gehörgang und verstärken somit die natürliche Schutzbarriere des Ohrs.

Ohne Schmerzen durch den Sommer

Eine Badeotitis verdirbt einem schnell jeden Sommerspaß. Durch die richtigen Vorbeugungsmaßnahmen und einen raschen Gang zu Ihrem HNO bei ersten Symptomen kommen Sie jedoch gut und schmerzfrei durch die warme Jahreszeit.